Es waren 42 Raststätten nötig für unser Volk, um aus Mitzráim auszuziehen und bis ans verheißene Land zu kommen. Jede Etappe der Reise hat auch für uns eine Bedeutung. „Durchreisen“ könnte der Titel eines Buches der Geschichte unseres Volkes, des der Juden, sein… und der Titel der Biographie dieses Autors, der in 5 verschiedenen Ländern, auf 3 Kontinenten gelebt hat und derzeit in seinem 42. Haus wohnt.
Genaugenommen ist es Teil des Lebens eines jeden Juden in der Weltgeschichte, von einem Ort zum anderen zu ziehen, auf eigene Faust, wegen Gefahr im Land in dem er lebt oder weil man ihn rausgeschmissen oder abgeschoben hat.
Was unsere Vorfahren jedoch möglicherweise nicht verstanden haben – oder vielleicht doch – ist, dass wir nicht auf eigene Faust losgezogen sind (selbst wenn es manchmal so scheinen mag), sondern dass wir von Elohím gesandt wurden, auf der Verfolgung des von Ihm bestimmten Zieles. Und wenn Er uns in ein anderes Land sendet, dann ist Er bei uns, äußerlich und innerlich, womit die Durchreise sowohl eine äußere (physische), wie eine innere (mentale und geistliche) ist.
Jeden Tag unseres Lebens als Jude nach Herkunft und/oder Glauben ist eine Reise von Mitzráim zum verheißenen Land, Israel. Mitzráim/מִצרָים bedeutet „Hindernisse, Blockaden, Grenzen“. Physisch gesehen war die Reise aus Mitzráim heraus voller menschlicher, politischer, religiöser Hindernisse. Mental gesehen war die Reise voller Hindernisse, die erworbenen Angewohnheiten loszulassen, die Ideen des jüdischen Volkes über das, was „schön, gut, lecker, wichtig“ ist, die während der Jahre der Knechtschaft „angesteckten“ kulturellen ägyptischen Ideen, die mentalen Klischees zu jedem Thema: Religion, Gesellschaft, Politik, Kindererziehung, usw. Die geistliche Sicht war auch nicht ohne jegliche Bindung, da der Paróh/פרעֺה/Pharaoh von Ägypten/Mitzráim sicher den Verlust der Tausenden jüdischen Sklaven, die kostenlos für ihn gearbeitet hatten, nicht einfach so hingenommen hat, wo er doch auch noch mächtige Zauberer zu seiner Verfügung hatte.
Individuell gesehen ist jede Reise ein Abenteuer, im umfassenden Sinne des Wortes. Es kann ein schönes Abenteuer oder (wie meistens) ein Abenteuer mit vielen Zwischenfällen sein. „Warum gibt’s im Leben so viele Zwischenfälle?“ mag man sich fragen. Elohím ist immer dabei, Seine Kinder zu lehren, Hindernisse zu überwinden, damit sie Ihm jeden Tag mehr und besser nachfolgen. Die Hindernisse sind nur Übungen für die Muskeln unseres Willens und der mentalen und emotionalen Mittel unserer Persönlichkeit, um zu lernen, die Hindernisse zu überwinden, damit wir in jedem einzelnen Bereich unserer Persönlichkeit, Gedanken, Gefühle, Willen, Ausdauer, Urteilsvermögen, Geduld, usw. wachsen.
Wie entsteht die Frucht des Geistes aus Gal.5,22-23? Sie erwächst gerade als Resultat dieser inneren „Reisen“ durch emotionale und mentale „Stürme“ und „Bersteigungen“, die in vielen Fällen von Elohím höchstpersönlich in unser Leben eingeräumt worden sind, um unsere psychologischen und emotionalen Muskeln zu trainieren. Zwischenzeitliches Versagen sind – für Sieger – Momente vor dem Sieg. Quasi-Versagen unserer Persönlichkeit, unserer Emotionen und unseres Willens durch zwischenzeitliche Gegenschläge auf dem permanenten Aufstieg zum Gipfel: der Gegenwart Elohíms.
Nicht alles ist Erfolg in unserem Leben! Es gibt viele Schläge, blaue Flecken, Sackgassen. Um aus ihnen wieder herauszukommen, müssen wir zurückkehren bevor es für unsere Seele zu spät ist. Rückschläge. Unsere Reise in dieser Welt ist voll von ihnen. „Warum muss das denn so sein, wenn wir doch auf der Seite Elohím sind?“ mögen Sie sich fragen. Weil dies das Universum ist, in das Elohím uns gestellt hat: ein dialektisches Universum, in dem ALLES aus Erfolg und zwischenzeitlichem Versagen, Fortschritt und Rückfall, als struktureller Bestandteil unserer Reisen ist.
Das Wort Mitzráim/מִצרָים kommt vom hebräischen Wort „Tzár/צָר“, was „eng, beengt“ bedeutet. Jeder Mensch und jedes Land hat beschränkende und einzwängende Eigenschaften, die sein Vorankommen zu den Zielen, die sie in den Augen Elohíms, der sie leitet -„denn ewig währt Seine Güte /ki-le’Olám Chasdó/כִּי לְעֹולָם חַסדֹו“-, erreichen sollen, erschweren. Elohím leitet uns, gibt uns Impulse, hilft uns, zu erreichen, was wir „von Erschaffung des Universums an“ bestimmt sind, zu erreichen, weil Er uns liebt und uns siegen sehen will, was in Seinen Augen bedeutet, zu erreichen, was wir von Anfang an erreichen sollten. Um dies zu erreichen müssen wir (wie unser Land als ein Ganzes) unsere psychische Energie und unsere Willenskraft, Optimismus und Mut gebrauchen und trainieren, gegen diese Hindernisse, die uns darin behindern, Seinen Willen in unserem Leben zu tun. Wenn wir es schaffen, unsere zwischenzeitliche Enge/ Tzár/צָר zu überwinden, ist es wie ein Herauskommen aus der dunklen Sackgasse und auf eine weite Plaza voller Licht und frischer Luft zu treten. Wir sind wieder unterwegs, auf dem Weg in Richtung auf unser Ziel als Nachfolger Elohíms, weiser, demütiger und siegreicher als vorher.
Viele dieser Momente sind (mehr als Engpässe) Raststätten auf unserem Weg zum Ziel, oder können es sein. Jedes zwischenzeitliche Versagen ist derart geschaffen, dass es dem Sieger neue Kraft Elohíms gibt, um vorwärtszugehen und die Hindernisse zu überwinden, die Elohím zu seinem Besten geschaffen hat, um ihn ein für alle mal aus seiner derzeitigen Position zu holen, die immer noch voller dunkler Schattenseiten ist. Für Versager dagegen scheint jedes Versagen permanent und ewig zu sein. Außer Kraft bieten uns zwischenzeitliche Versagen neue Perspektiven, ein neues Mitempfinden und neue Schwungkraft, um voranzugehen und das Ziel zu erreichen. Denn die Alternative ist schrecklich – für Gewinner, die nur den Sieg vor Augen haben – während es für Verlierer der einzige „Ausweg“ ist, weil sie sowieso schon darauf fixiert sind, zu versagen.
So wird ein Zwischenziel erreicht und ein neues Ziel muss bestimmt und erreicht werden. Dafür müssen wir die von unserer Psyche selbst-auferlegten Grenzen überwinden, die Fehler unseres Charakters und unserer Persönlichkeit, die den vorherigen Teil-Sieg behindert haben. Mit der Hilfe Elohíms des Vaters und des Rébbe Ieschúa in uns (Imanu’EL/עִמַנוּאַל: Elohím-Vater unter uns), in unserem Geist/Rúach, bekommen wir eine neue Perspektive, neue Kraft, einen neuen Impuls von unserem liebenden Elohím, der an unserer rechten Seite ist und uns den Impuls zum Siegen gibt (im psychischen und zwischenmenschichen Bereich, was manchmal bedeutet, vor anderen zu „verlieren“), zum Vorwärtsgehen und nicht aufgeben, weil Elohím bei und mit uns ist und sein wird, uns zu helfen, das Ziel zu erreichen: unsere Heiligkeit/Qeduscháh/קְדוּשָׁה.
All dies ist eine Übung von dem, was in einem Heer/Tzavá/צָבָא geschieht. Nicht umsonst nennt die Toráh Elohím „ADONÁI Tzvaót / צבַאוֹת / der Heerscharen“. Im Heer werden wir trainiert durch physische „Engpässe“: Übungen, Zwangsmärsche, Anstrengung, die unser Körper fast nicht aushält. Wozu? Um ein wesentlich höheres physisches und psychologisches Niveau zu erreichen als vor Eintritt ins Heer. Um eine physische und emotionale Unabhähgigkeit von externen Faktoren (wie das Klima und äußere Bedingungen wie das Fehlen von Essen und Wasser) zu erreichen.
So hat zwischenzeitliche „Enge/Tzár“ zu unserem Besten gewirkt, um unser drei-dimensionales Sein stärker zu machen, mehr nach Seinem „Bild und Schatten“: eine Silhouette, die jedes Mal mehr dem „zweiten Adám“ (1. Kor.15,45), Ieschúa, Elohím in menschlicher Gestalt, ähnelt. Von Mitzráim – nun nicht mehr ein physisches Land auf dieser Welt, sondern eine geistliche und mentale Realität, die wir loswerden wollen und sollen – nach Israel – auch nicht mehr ein physisches Land, sondern ein Ziel das die geistliche Perfektion und das Einssein mit Ieschúa symbolisiert – der schon bald von Israel aus regieren wird mit denjenigen, welche die Mitzráim in ihrem Leben besiegt haben. Wenn wir nach einigen Jahren des Elohím-Kennens zurückschauen, können wir den ganzen zurückgelegten Weg überschauen.
Das ist selbst bei einzelnen Ländern so, denn jedes Land ist eine drei-dimensionale geistliche Einheit im geistlichen Universum, ganz besonders Israel, die Ehefrau Elohíms. Jedes Land – besonders Israel – ist auf dem Weg von Mitzráim nach Israel, mit den selben Kämpfen und Problemen und Hindernissen eines jeden seiner individuellen Einwohner. Wir nehmen dies alles nicht wahr, weil es nur geistlich wahrgenommen werden kann. Deshalb weist Elohím uns an, für Ieruschaláim (Jerusalem) zu beten (Ps.122,6 שׁאלו שׁלום ירושׁלם). Nicht nur sie erwähnen, wie man uns vielleicht gelehrt hat, sondern für ihren Erfolg eintreten, damit sie alle punktuellen und bestimmten Hindernisse überwindet die Israel derzeit zu bewältigen hat und an das von Elohím gesteckte Zeil gelangt.
Es geschieht nicht nur in unserem Leben und dem der Länder aufs ganze gesehen, dass wir in Mitzráim losziehen und in Israel enden, sondern auch in unserem Alltag. Jeden Tag erleben wir dieselbe Reise: von Mitzráim nach Israel, wenn wir es schaffen, die Probleme des Tages zu bewältigen.
Und es geschieht in mehreren Bereichen: in den zwischenmenschlichen Beziehungen, auf der Suche nach einem Ehepartner, in der Bezeihung zu den Glaubens-Geschwistern. Es geschieht in jedem Vorhaben und jederzeit: im Studium oder mit einem neuen Ziel vor Augen, sei es finanzieller, psychologischer oder geistlicher Art.
Wie ergeht es Ihnen auf ihren inneren Reisen? Schreiben Sie einmal auf, welches die 3 stärksten Hindernisse auf Ihrer derzeitigen Wegstrecke sind, um dafür zu beten und damit Ihre geistliche Autorität es tun kann.

