In dieser Parascháh endet die Toráh mit einer barmherzigen Tat Adonáis Dvarím/„5.Mose“ 34,6: „Und Er beerdigte Moschéh zwischen den Felsen“. Der Talmud erinnert daran, dass die Toráh auch mit einer barmherzigen Tat Adonáis begann: Be’Reschít/„1.Mose“ 3,21 „Und Elohím machte dem Menschen und seiner Ehefrau eine Kleidung aus Fell und kleidete sie“.
In beiden Fällen kleidete Elohím Seine Schöpfung: Moschéh mit Erde, damit sein Körper nicht der Umwelt ausgesetzt sei und von den Geiern gefressen werde, und Adám und Chaváh (Eva) mit „Ór/עוֹר/Fell/Leder“, um ihre Scham zu bedecken.
Was würde aus unserem Leben ohne die Barmherzigkeit/Rachmanút/רַחמָנוּת Elohíms? Wir wären arm dran, hätten wir nicht Seine Rachmanút/רַחמָנוּת! In den vergangenen Tage, können jene von uns, die wir uns angestrengt haben, uns zu verändern, um unser Leben, Seele und Herz zu reinigen vom Bösen, das da nistete, den Unterschied empfinden und sagen: „Malé Rachamím Atáh!/Erbarmungsvoll bist Du, Elohéinu, Ábale! Malé Rachamím Atáh!“
Keiner von uns kann ehrlich behaupten, dass er das große Erbarmen Elohíms verdient hat. Wir alle sündigen. Keiner von uns erfüllt den Willen Seiner Toráh anderen und Adonái gegenüber vollkommen. „Malé Rachamím Atáh“ vergibt uns ein ums andere mal. Malé Rachamím Atáh!“
Der französische Rav Rashí aus dem 12. Jahrhundert sagte, der in der Toráh häufige Ausdruck „I·H·V·H Elohím“ habe zwei Bedeutungen: „I·H·V·H“ hat die Charaktereigenschaft/Midáh Elohíms des Erbarmens/Rachmanút/רַחמָנוּת, während „Elohím“ die Charaktereigenschaft/Midáh der Strenge/Dín/דִין hat. I·H·V·H Elohím hat das Universum mit beiden Charaktereigenschaften/Midót geschaffen: Dín/דִין, gewürzt mit Rachmanút/רַחמָנוּת. Oí va’vói!/Weh uns, wenn dem nicht so wäre! In Beit Shalóm sagen wir immer, dass Elohím die Liebe einer Mutter (Rachmanút) gemischt mit der Liebe eines Vaters (Dín) hat, doch die Liebe der Mutter überwiegt die Liebe des Vaters gegenüber Seinen Kindern.
Wie lange würden wir bestehen, wenn die Hand Adonáis jedes Mal wenn wir sündigen sichtbar würde? Wie lange würden wir bestehen, wenn EL uns bestrafen würde mit der Liebe eines Vaters jedes Mal wenn wir ein Gebot übertreten haben? Wie lange würden wir überleben können?
Sein Erbarmen/Rachmanút/רַחמָנוּת erlaubt uns, weiterzuleben, selbst wenn wir nicht erfüllt haben, was wir Elohím zu tun oder nicht zu tun versprochen haben. „Malé Rachamím Atáh!“ Sein Name sei gepriesen! Seine Barmherzigkeit/רַחמָנוּת macht es möglich, dass Er unseren Ungehorsam und unsere fehlende Sensibilität weiter erträgt. Das Blut Ieschúas, gepriesen sei Er!/Barúch Hú!, macht es möglich, dass wir weiterhin Seine Segnungen/Brachót/בּרָכוֹת erhalten.
Was sind wir doch undankbar! Wie wenig nehmen wir wahr von dem, was Er jeden Tag unseres Lebens für uns tut! Wie kommt es, dass wir nicht wahrnehmen, wie oft Er uns vor Unfällen, Problemen, potenziell tötlichen oder gefährlichen Situationen bewahrt! Und wir bekommen nicht einmal ein „Danke Elohím“ über die Lippen, weil wir in unserer geistlichen Unwissenheit Seine lebenslange Hilfe und Vergebung unserer Sünden nicht sehen. So weit entfernt befinden wir uns von Seiner Bestimmung und Seinem Heiligen Wort.
Wie oft am Tag danken wir Elohím für Seine rettende Hand, für Seinen Segen über unserem Leben, für unsere Arbeit, unsere Familie? Nehmen wir diesen Segen wahr? Empfinden wir ihn? Jeden Tag der vergeht und wir uns bewegen und ohne Beschwerden atmen können, an keiner schlimmen Krankheit leiden, an keinen Ess- oder Schlaf-Störungen leiden, ist ein Segen Elohíms! Sehen wir das so? Sehen wir Sein Erbarmen/רַחמָנוּת für uns? Sehen wir Seine Vergebung, besonders in diesen Tagen, wo die „schrecklichen Tage/Iomím ha’noraím“ hinter uns liegen und wir leben wegen Seinem Erbarmen/רַחמָנוּת?
Elohím hat versprochen, barmherzig zu sein, selbst wenn wir versagen, selbst wenn wir nicht halten was wir Ihm versprochen haben, für all jene, die nach Seiner Gegenwart in ihrem Leben suchen.
Die Geduld/Savlanút Elohíms ist enorm, viel größer als wir uns vorstellen können. Um uns eine Vorstellung davon zu geben wie groß sie ist, stellen wir uns einen Boss vor, der Leute eingestellt hat, mit der Abmachung, dass sie eine gewisse Arbeit tun werden, doch sobald er sich umdreht, sind sie am Kaffetrinken, Schwatzen oder legen sich irgendwo hin und schlafen, während der Boss die Verpflichtung hat, ihnen jedes Wochenende den Lohn zu bezahlen, obwohl sie die halbe Woche verschlafen und vertrödeln statt zu arbeiten. Das ist das Bild, das Elohím von uns (Seinen Sklaven) hat.
Die Gedult Elohíms gegenüber Seinen Kindern ist unendlich. Wenn wir nur wüssten, wie groß Seine Geduld mit uns ist! Wir haben sie nicht verdient und bieten sie keinem, der sich uns gegenüber so verhält wie wir uns Elohím gegenüber verhalten, nicht einmal unserer eigenen Familie.
Dies ist das Erbarmen/Rachmanút/רַחמָנוּת, das wir nach dem Willen Elohíms unseren Mitmenschen, nach Matth.12,7 (Hoshea 6,6) „...Barmherzigkeit/רַחמָנוּת ist mir lieber als Opfer/Qorbanót…“ entgegenbringen sollen. DAS BEDEUTET NICHT, DASS ELOHÍM AUFGEHÖRT HAT, OPFER ENTGEGENZUNEHMEN, sondern dass Er sich Kinder mit einem erbarmungsvollen Herzen wünscht, etwas entschieden anderes. (Hier ist nicht die Rede von Opfern im Tempel in Ieruschaláim, sondern im Dritten Tempel, uns, den messianischen Juden, nach 1.P.2,4-5).
Davíd ha’Mélech (König David) verspricht uns in Tehiláh/Ps.23,6: „Gutes und Barmherzigkeit/Rachmanút/רַחמָנוּת (von Elohím) werden mir folgen mein Leben lang…“ Und in Tehiláh/Ps.13,5: „Ich aber habe mein Vertrauen auf Deine Gnade/Rachmanút/רַחמָנוּת gesetzt…“ Und Sie lieber Bruder? Vertrauen Sie auf das Erbarmen/Rachmanút/רַחמָנוּת unseres Elohím? Darauf, dass Er Ihnen die begangenen Sünden, für die Sie in diesen Tagen des um Vergebung Bittens Buße getan haben, vergeben hat?
Ieshaiáhu/Jes.54,8 verheißt uns: …mit ewiger Gnade will Ich mich deiner erbarmen…“ EWIGE Gnade/Rachmanút/רַחמָנוּת! DAS ist der Elohím, dem wir nachfolgen! DAS ist der Elohím, auf den wir vertrauen!
Wenn wir behaupten, Kinder Elohíms zu sein, dann sollten wir auch Seine Gnade/Rachmanút/רַחמָנוּת gegenüber unserer Umgebung praktizieren.
Was ist Gnade/Rachmanút/רַחמָנוּת, praktisch ausgedrückt? Es bedeutet, Erbarmen zu haben, gütig zu sein, denen zu vergeben, die uns beleidigt und geschadet haben, die Beleidigungen zu vergessen (oder es wenigstens zu versuchen). Erbarmen mit ihnen zu haben, weil Elohím mit uns Erbarmen hat. Dies sollte der „Maßstab“ sein, den wir an andere legen. In Wa’iqrá/Und rief/„3.Mose“ 19,18 heißt es: „…und du sollst lieben/ואהבת deinen Nächsten wie dich selbst…“. Wir sollten Erbarmen/Rachmanút/רַחמָנוּת haben mit den Armen, besonders mit den Armen, weil sie (in den meisten Fällen) den Elohím Israels nicht kennen und nichts haben. Wir sollten die größte Rachmanút/רַחמָנוּת haben mit denen, die weder geistliche, noch materielle Güter haben, denn sie können uns nichts zurückgeben. Und gerade deshalb wird Elohím uns an ihnen richten. Arme sind ein Spiegelbild der Barmherzigkeit/רַחמָנוּת Elohíms uns gegenüber. Er hat uns gerettet davor, nichts zu haben und ein niemand zu sein, der Ihn nicht kennt. Arme sind doppelt arm: nicht nur, dass sie nichts haben, sondern dass sie meistens auch Elohím nicht haben.
Möge der Elohím Israels und der Maschíach Israels uns die Weisheit/Chachmáh/חַכמָה geben, dieses Erbarmen/Rachmanút/רַחמָנוּת zu verstehen und umzusetzen.

